Die Geschichte des Schlosses, das sich mächtig über der Stadt dem Muldental erhebt, reicht bis in das 11. Jahrhundert züruck und dokumentierte die Auseinandersetzungen zwischen Reichs- und Partikulargewalten im Hochmittelalter ebenso wie den Aufstieg der ernestinischen and albertinischen Linie des hauses Wettin in der frühen Neuzeit. Sie legt von der Reorganisation des Gesundheitswesens im bürgerlichen Zeitalter ebenso Zeugnis ab, wie vom Mißbrauch des historischen Ortes als Konzentrations- und Gefangenenlager in unserem Jahrhundert.
1046 wird erstmals ein Burgward Colditz urkundlich erwähnt, den Kaiser Heinrich III, seiner Frau Agnes zum Geschenk machte. Als Kaiser Friederich I. Barbarossa die Gegend um Colditz zum Reichsgut erhebt, macht er seinen Dienstmann Thimo zum Herren über die Feste Colditz, die für den Ausbau des Reichsterritoriums Pleißen von besonderer Bedeutung war. Thimo begründet die Stammreihe der Herren von Colditz und steht am Beginn einer zweienhalb Jahrhunderte währenden Auseinandersetzung zwischen der aufsteigenden Ministerialfamilie und ihren kaiserlichen und später königlich-böhmischen Protektoren auf der einen und den Markgrafen von Meißen aus dem Geschlecht der Wettlinenr auf der anderen Seite.
1404 wird die Auseinandersetzung um Colditz zugunsten der Wettischer entscheiden und illustriert die Niederlage der kaiserlichen Gewalt im Kamf gegen die Expansionsbestrebungen der Territorialfürsten im Reich.
Die Eroberung von Colditz und die Brandschatzung durch die Hussiten im Jahr 1430 markiert das Ende der mittelalterlichen Feste und leitet einen neuen Abschnitt in der Geschichte des Schlosses ein, der 1464 beginnt, als Kurfürst Ernst von Sachsen den Umbau zur kurfürsterlichen Residenz beginnt. Der Umbau zum Renaissanceschloß wird 1504 durch einen Stadtbrand noch einmal unterbrochen. Danach jedoch zunächst von den Ernistinern und ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts von den Albertinern zielstrebig weiterverfolgt.
Besonderen Glanz verlieh dem Schloß in der Zeit zwischen 15. Und 17 Jahundert die gestalterische Phantazie berühmter Frauen. Colditz diente in dieser Zeit mehreren kurfürstlichen Witwen als Wohnsitz, von denen Margarethe von Österreich, die Schwester Kaiser Friedrich III., im 15. Jahrhundert eigene Münzen in Colditz prägen ließ und Sophie von Sachsen, die Witwe Kurfürst Christians I., dem Schloß und der Stadt in den ersten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts nocheinmal besonderen Glanz verlieh. Die Zeiten umfangreicher Bautätigkeit und prächtiger Hofhaltung blieben auf wenige Jahrzehnte beschränkt und auch die Hoffnung, die Herrschaft Augustus des Starken, in dessen Besitz das Schloß 1694 kam, möge dem Schloß zu neuer Pracht verhelfen, erwies sich als trügerisch.
Mit der Blütezeit des Barock verloren die sächsischen Herrscher ihr Interesse an Colditz, das trotz zahlreicher Umbauten seinen Festungscharakter niemals völlig verleugnen konnte.
Das Schloß geriet in Vergessenheit und viel, wenn wir den Chronisten folgen, in einen hundertjährigen "Dornröschenschlaf ", aus dem es um 1800 erwachte, um sich als staatliche Fürsorgeeinrichtung wiederzufinden. Der mittelalterlichen Festung und dem Renaissanceschloß folgte eine Verwahr- und Fürsorgeeinrichtung, die Geschichte von Schloß Colditz bis in unser Jahrhundert hineingeprägt hat. Aus dem Armenhaus von 1800 wird drei Jahre später ein Landesarbeitshaus und 1829 entsteht die zweitälteste Versorgungsanstalt für Geisteskranke in Sachsen. Die Geschichte des Schlosses um 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts spiegelt sich die Veränderung in der Behandlung psychisch Kranker in diesem Zeitraum wider.
Mit der 20er Jahre wird die Landesverosorgungsanstalt geräumt, um einer Landeskorrektionsanstalt Platz zu machen, die bis zum Ende der Weimarer Republik bestehen bliebt. Die Nationalsozialisten bedienen sich der günstigen baulichen Voraussetzungen von Schloß Colditz und Verwahranstalt, um inmittelbar nach ihrer Machtübernahme ein "Schutzhaftlager" in Colditz einzurichten. Zwischen März 1933 und September 1934 sind zeitweise 800 Gegner des faschisten Systems auf Schloß Colditz eingesperrt. Für viele bedeutet der Aufenhalt nur ein Durchgangssituation für den Weitertransport in eines der neugebauten Konzentrationslager. So für den Schriftsteller Bruno Apitz, der später mit seinem Buchenwaldroman "Nackt unter Wölfen" zu internationaler Berühmtheit gelangen sollte.
Zwischen Oktober 1934 und Sommer 1939 dient das Schloß als Lager des Reichsarbeitsdienstes, befor es mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in ein Gefangenlager für alliierte Offiziere umgewandelt wird. Im Sonderlager OFLAG IVC werdem bis zu 500 Offiziere aus Europa und Überseegefangengehalten, die bereits Fluchtversucheaus anderen Kriegsgefangenenlagern unternommen haben. 31 gelungenen Fluchtversuche machen den Anspruch eines ausbruchssicheren Lagers rasch zunichte und tragen Schloß Colditz den Beinamen "Fluchtakademie" ein. Eine Reihe spektakulärer Ausbruchsversuch die in Romanene und Spielfilmen popularisiert werden, machen das Schloß international bekannt. 1993 kehren einige der ehemaligen Offiziere mit einem britischen Filmteam an den Ort ihrer Gefangenschaft züruck und das Schloß wird noch einmal für einige Tage in die dramatische Zeit des Krieges züruckversetzt.
Am 16. April 1945 befrien amerikanische Truppen die Stadt, ihnen folgen am 7. Mai russische Soldaten. Das Schloß dient in den folgenden Monaten als Sammelstelle für Großgrund- und Rittergutsbesitzer und deren Familien, die durch die Bodenreform enteignet und ihres Heimatkreises verwiesen worden waren, bevor sie in andere Gebiete zwangsumgesiedelt werden.
Die zunehmenden Gegensätze zwischen den Besatzungsmächten des besiegten Deutschlands führen 1948 zum Ende der Viermächte-Verwaltung. 1949 wird die Teilung Deutschlands durch die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik besiegelt. Nach Jahre der Willkür, die in den Mauern des Schlosses geherrscht hatten, wird es 1949 wieder in eine zivile Nutzung überführt.
Mit dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung im Land nach dem Vorbild der UdSSR folgt im Schloß Colditz dem neugegründeten Krankenhaus ein Alten- und Pflegeheim. Nachdem die politische und wirtschaftliche Führung des Landes unter der Alleinherrschaft der kommunistischen SED zum Zusammenbruch des sozialistischen Gesellschaftssystems geführt hat, kommt es am 03. 10. 1990 auf friedlichem Wege zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Die mehr als eineinhalb Jahrhunderte währende Geschichte der Krankenanstalt wird 1995 zu Ende gehen und das Schloß einer neuen Bestimmung zuführen